Senioren und Internet - das passt nicht zusammen?
So lautete bis vor gar nicht allzu langer Zeit die landläufige Meinung. Als die Schauspielerin Heidi Kabel Anfang des Jahrtausends ihr Lied von der “Oma aus dem Internet, mit eigener Homepage und ‘nem Online-Chat” sang, schmunzelte so mancher. Das ist heute ganz anders.
Senioren sind heute eine wichtige Nutzergruppe. Das belegt auch eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands BITKOM in Berlin: Demzufolge sind bereits knapp ein Drittel der Deutschen zwischen 65 und 74 Jahren zumindest gelegentlich online. In der Altergruppe von 55 bis 64 Jahren sind es rund 60 Prozent.
Doch viele Unternehmen haben dieses Potenzial noch nicht erkannt und vernachlässigen diese Zielgruppe sträflich. Dabei sind die Silver Surfer erfahrungsgemäß sehr gute, treue und konsumfreudige Kunden. Einer, der dies schon sehr früh erkannt hat, ist der Unternehmer Alexander Wild, dessen Seniorenportal Feierabend.de fast 150.000 Mitglieder hat.
Lesen Sie hier Alexander Wilds Tipps für seniorengerechtes Online-Marketing:
Akzeptieren Sie: Senioren mögen keineWerbung (sagen sie)
Für junge Menschen ist Werbung Kult – Älteren erscheint sie oft nutzlos und teuer. Vermeiden Sie in Ihren Publikationen, Ihrem Internet-Auftritt, Ihren Anzeigen die “Kauf-mich”-Attitüde roter Schrift, kreischender Schlagworte und idealisierter Menschen. Vertrauen schaffen Sie über Fakten und persönliche Ansprache.
Setzen Sie auch auf die hohe Glaubwürdigkeit redaktioneller Berichterstattung. Und stellen Sie sich dabei auf die Rezeptionsgeschwindigkeit der Älteren ein. Dann werden Sie feststellen, dass ältere Menschen tatsächlich aufgeschlossener gegenüber Werbung im Internet sind als der durchschnittliche Surfer.
Unsere Erfahrung zeigt, dass Werbetreibende beste Erfolge erzielen, wenn sie einen Bericht im redaktionellen Teil mit Anzeigen-, Pop-up- oder Bannerwerbung kombinieren. Die hohe Glaubwürdigkeit einer seriösen Berichterstattung in Verbindung mit aufmerksamkeitsstarken Eye-Catchern weckt hier besonderes Interesse. Zusätzlich verstärkend wirken Gewinnspiele, Wettbewerbe oder Tests.
Wählen Sie die richtigen Sympathieträger
Deutschlands “Senioren” fühlen sich zwar fit, attraktiv und geistig jung, aber sie wollen sich nicht mit 20- oder 30-Jährigen identifizieren. Nur jeder zehnte Senior fühlt sich von Werbung mit jungen Models angesprochen. An 80 Prozent der einkommensstarken Zielgruppe 50 plus geht eine auf Jugend setzende Werbung vorbei.
“Alterslose” Menschen sprechen 50- wie 70-Jährige an. Graue Haare sind sympathisch – wenn das Gesicht frisch aussieht. Aber dekorieren Sie Mieder-Badeanzüge nicht um ein 20-jähriges “Mager-Model”.
Setzen Sie auf das “Hier und Heute”
Die “jungen Alten” interessieren sich für Mode, Reisen, Gesundheit, Sport, Sex etc. Doch wenn die verbleibende Lebenszeit spürbar schwindet, konzentriert sich das Leben auf die Gegenwart. Bieten Sie Lösungen für aktuelle Probleme.
Sehen Sie Ihre Zielgruppe als Meinungsbildner
Die Generation 50 plus ist lebens- und konsumerfahren. Zeigen Sie Respekt vor der Lebensleistung Ihrer Kunden und bestätigen Sie diese in ihrer Lebenserfahrung und ihrem Wissen. Ein positives Urteil hat bei Bekannten Gewicht. Ein schlechtes wirkt vernichtend. Zeigen Sie im eigenen Interesse Respekt vor dieser Meinungsführerschaft.
Sprechen Sie Klartext – und vermeiden Sie Anglizismen
Ältere Menschen erwarten, dass Sie sofort auf den Punkt kommen – ohne Fachjargon und Technikwahn. So, dass sie kein Fremdwörterbuch benötigen. Fassen Sie sich kurz und beschreiben Sie Ihr Thema klar und deutlich. Viele Menschen aus der jetzigen Seniorengeneration haben in der Schule wenig oder gar kein Englisch gelernt.
Sie fühlen sich von englischen Fachausdrücken und Modewörtern, die sie nicht verstehen, gestört oder reagieren sogar gekränkt. Zudem klingen englische Einsprengsel in den Ohren vieler Älterer extrem flapsig und damit unangemessen.
Gestalten Sie augen- und lesefreundlich
Grundsätzlich ist Infomaterial wichtig: Man kann es mit nach Hause nehmen und im eigenen Tempo studieren. Aber: Die Leistungsfähigkeit der Augen ändert sich im Alter, die Lesegewohnheiten dagegen nicht. Für alle Publikationen oder Beschilderungen gilt: Wählen Sie große Schrifttypen und starke Kontraste ohne blendende Farben.
Verzichten Sie auf blinkende Gimmicks auf Ihren Internet-Seiten. Gestalten Sie Ihre Publikationen und Medien übersichtlich. Übrigens: seniorengerechtes Design ist lesefreundlich für alle Altersgruppen.
Nutzen Sie auch das Internet zur Kundenbindung
Das Internet bietet die Möglichkeit, preiswert und hochwertig mit Ihren Kunden zu kommunizieren. Gründen Sie einen Online-Kundenclub, betreiben Sie E-Mail-Marketing mit guten, für Ihre Kunden wirklich nützlichen Informationen. Bieten und fordern Sie Interaktion – Ihre Kunden werden es Ihnen danken.
Machen Sie sich ein genaues Bild von den Wünschen Ihrer Zielgruppe
Zeigen Sie im Umgang mit den “Lebenskennern” besondere Sorgfalt. Investieren Sie in Marktforschung. Suchen Sie die eindeutig relevanten Elemente für Ihre Zielgruppe. Und unterstützen sie diese.
Locken Sie Schnäppchenjäger
Als “erfahrene Lebenskenner”, die auch schlechte Zeiten erlebt haben, erwarten Senioren viel für ihr Geld: Zeigen Sie ihnen, dass sie ein gutes Geschäft machen. Ermöglichen Sie Vergleiche. Geben Sie Ihnen ein Extra: Ein Gutschein etwa motiviert seinen Empfänger.
Bleiben Sie konstant in Ihren Botschaften
Zeigen Sie Kontinuität. Häufige kommunikative Wechsel verwirren ältere Menschen. Sie lieben Beständigkeit. Und sie wollen nicht jeden Trend mitmachen, sondern fragen eher nach dem Nutzen.
Bieten Sie Service
Wenn das Laufen und das Tragen schwerer fallen und wenn das Vertrauen in neue Technik fehlt, wird Service wichtiger. Bieten Sie einen Liefer- oder Reparatur-Service für Ihre Produkte und eine Hotline, über die Ihr Unternehmen bei Fragen zu erreichen ist.
Und vergessen Sie nie:
“Alt sind immer die, die zehn Jahre älter sind als man selbst.” Sprechen Sie Ältere nicht als “Senioren” an. Aber zeigen Sie Respekt vor ihrer Lebensleistung und bestätigen Sie sie in ihrer Lebenserfahrung und ihrem Wissen. Akzeptieren Sie ihren Anspruch, sich ein Leben imWohlstand “verdient” zu haben.
Fazit: Seniorengerechtes Design = nutzerfreundliches Design. Besonders ältere Kunden wollen sich in ihrem Shop schnell zurechtfinden und sich nicht mit allerlei Schnickschnack aufhalten.Transparenz und Übersichtlichkeit sind Trumpf!
Mit “Silver Surfern” bis zu 75000 im ersten Jahr - wäre das was für Sie?
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